Leben & WerkHomeInhaltsverzeichnis
An dieser Stelle etwas über das Leben und Wirken des heiligen Bonifatius. Sie können entweder die einzelnen Überschriften anclicken, oder aber direkt scrollen. Die Karte und die Zeittafel befinden sich auf anderen Seiten. Viel Vergnügen!
St. Bonifatius - Leben und Wirken
Titelblatt der Lebensbeschreibung von Josef Leinweber, 1983
Beginn einer Lebensbeschreibung
Die, der Form halber, mit (dn) gekennzeichneten Abschnitte entstammen (m)einer Facharbeit im LK katholische Religionslehre mit dem Thema: Das Missionswerk des heiligen Winfried - Bonifatius in Hessen und Thüringen“

* “Der Frühling von Nutshelle” von L.Hugin entstammt dem Buch “Bonifatius: Wanderer Christi, ein Bonifatius-Lesebuch/hrsg. von Albert Erdle, Paderborn 1954”, mit freundlicher Genehmigung der Bonifatius GmbH, Druck - Buch - Verlag

Die Vorgeschichte:

England, 300 nach Christus

England ist  von den Römern erobert, die Nordgrenze bildet der Hadrianswall, die keltischen Stämme sind unterworfen. Durch die Römer entstehen bald Christengemeinden, es gibt auch christliche Bischöfe in Britannien. Als die Römer gegen 400 wieder abziehen fallen heidnische Germanen ein, Angeln, Sachsen und Jüten. Sie verjagen die Kelten, roden das Land und lassen sich nieder. Es entstehen sieben angelsächsische Königreiche: im Norden Northumbrien mit der Hauptstadt York, in der Mitte Mercia, im Osten East Anglia, außerdem Essex, Kent mit der Hauptstadt Canterbury, Sussex und Wessex.

England, 600 nach Christus

Das Land wird von irischen Mönchen von Irland und Schottland aus missioniert. Papst Gregor I. schickt römische Benediktiner vom Kloster auf dem Andreasberg unter der Leitung des Abtes Augustinus an den angelsächsischen Königshof. Engelberth von Kent, dessen fränkische Frau schon Christin ist, bekehrt sich und lässt sich taufen. Es beginnt ein neues Leben, es werden Gesetze erlassen, Münzen geprägt, es entstehen Goldschmiedearbeiten, man lernt Lesen und Schreiben. Man baut ein Kloster in der Nähte von Canterbury in dem Latein, Rhetorik, Verskunst, Literatur, Theologie, Musik und Heilkunst gelehrt wird. Augustinus wird Bischof von Canterbury.

England, 627 nach Christus

Der römische Benediktiner Paulinus kommt an den angelsächsischen Königshof des Edwin von Northumbrien. Dieser lässt von dem Götzendienst seines Priesters Coefi ab und wird getauft. Viele seiner Gefolgsleute folgen seinem Beispiel.

Als Edwin von Northumbrien 632 stirbt geht der Einfluss der römischen Mönche zurück. Es folgen irische Missionare, das Kloster Lindisfarne wird gegründet.

England, 664 nach Christus

 Es tritt eine Synode zusammen die beschließt, dass man sich enger an Rom binden  will und sich der Ansichten des ganzen katholischen Erdkreises anschließen möchte. Der Einfluss römischer Missionare steigt wieder, das Kloster Wearmouth-Yarrow entsteht in dem Beda Venerabilis später seine "Kirchengeschichte der Angelsachsen" schreiben wird. Englische Christen beginnen nach Rom zu pilgern. Es ist die Zeit in der die berühmten Bücher und Buchmalereien mit ihren verflochtenen Ornamenten entstehen. Die Ausgestaltungvon Buchstaben erreichte nie wieder eine solche Kunstfertigkeit.

Lebenslauf - die ersten vierzig Jahre (dn)

„Die Geburt des hl. Bonifatius erfolgte 672/73, spätestens 675“, schreibt der ausgewiesene Bonifatiuskenner Josef Leinweber so unnachahmlich in einer Biografie. Als Geburtsort wird allgemein  Crediodunum (Crediton) im Königreich Wessex in England genannt.

Das Christentum war hier erst vierzig Jahre zuvor durch römische Benediktiner eingeführt worden. Seine Eltern gehörten wohl dem Adel an. Noch in seiner Jugendzeit erlebte Bonifatius umherziehende Wanderprediger, und auch König Kentwin mag ihn beeindruckt haben, der seine Krone 685 niederlegte, um in ein Kloster einzutreten. Als Bonifatius dann in das nahegelegene Kloster Adescancastre (Exeter) eintreten wollte, war sein Vater zunächst dagegen, da er in ihm den Erben des Hofes sah, willigte dann aber ein. Später wechselte Winfried-Bonifatius dann in das Kloster Nutshalling (Nutshelle ,Nursling)über. Da er ausserordentlich begabt war, machte er bald Karriere. Als er das Alter von etwa 30 Jahre erreicht hatte, empfing er die Pries-terweihe. Er wurde zum gefragten Ratgeber, sogar zum könig-lichen Gesandten. Doch ihm stand der Sinn nach Mission. Bereits mehr als vierzig Jahre alt unternahm er 716 einen erfolglosen ersten Missionsversuch in Friesland. Zurückgekehrt wählten ihn die Mönche zum Abt. Diese Würde legte er jedoch im Jahr darauf wieder nieder und brach nun endgültig zur Heidenmission von England auf.

Der Frühling von Nutshelle

 (VON LUDWIG HUGIN)

Durchs ehrwürdige Kloster von Nhutshelle tobte mit hellem Lachen, Klimpern und Singen der junge Lenz. Vom Konventgarten war er hereingesprungen durchs Bogenfenster des Kreuzganges, blies von den alten Grabmälern der Äbte den grauen Staub in die Höhe, pfiff in die fromme, ehrbare Klosterglocke ein freches Vagantenliedlein und wickelte hinter sich einen goldenen Faden ab von einem großen Käuel Sonnenschein; der lag funkelnd draußen im Garten gerade vor dem sprossenden Rosenstrauch. -Den Kreuzgang heraus schritten langsam zwei Mönche, der eine groß, grauhaarig, mit gebräuntem, verwettertem Gesicht, von mühsamer Missionsarbeit durch lange Jahre herb gemeißelt, - der andere jung, mit beinah zartem Antlitz, noch bleich von Studium und Fasten in strenger Klausur. An ihnen vorbei schoß der Frühling, daß ihre Habite flogen.Über des Jüngeren weiche Züge spielte ein feines Lächeln. "Pater Prior!" sprach er, "habt Ihr's gemerkt: Der Frühling ist da!" "Ja!" erwiderte sein Begleiter bedächtig, "gestern ist er gekommen!" "Gestern? - Wie meint Ihr das?" "Ei nun, ich meine es gerade so: gestern kam er! Saht Ihr ihn denn noch nicht, Pater Erlafried, den schlanken jungen Angelsachsen, das blond blauäugig Edelingskind? Die Brüder von Exeter haben ihn uns gesandt, ihn zum Mönch zu bilden. Bald wird man ihm die Locken scheren!" "Den? - Ja, den sah ich wohl; doch, Pater Prior, mich dünkt, dem könnt Ihr die langen Haare noch manche Stunde gönnen! In Ewigkeit wird aus ihm kein Mönch; er ist zu wild dazu. Heut morgen rannte er mich fast zu Boden, als ich eben zur Bücherstube schritt." "Da lief er in die Küche! Ich hatte ihn dorthin geschickt, dem Koch zu helfen. Er schürte ihm ein Feuer in der Esse, daß fast das ganze Kloster davon in Flammen aufgegangen wäre!" "Seht Ihr!" Er ist zu ungebärdig für die stille Zelle. Er soll ein Kriegsmann werden oder Bären jagen!" "Gemach, mein lieber Erlafried! Den gleichen Wildling sah ich heut morgen in der Kirche; da kniete er so still und fromm und betete rechts wie ein Heiliger!" "Der? - Ein Heiliger! - O Pater Prior!" versetzte der junge Klostermann gedehnt. - Da unterbrach ein lautes Zetergeschrei der beiden Rede, und plötzlich kollerte ein dickes, kleines Mönchlein auf die Fliesen herunter, raffte ächzend seinen Habit zusammen und rannte mit Heulen und Blasen weiter, geradewegs auf die zwei Männer zu. Hinter ihm sprang ein hochgeschossener junger Recke im silbergrünen Wams leichtfüßig durch das Fenster, eilte hinter dem Kugeligen her und schlug ihm dabei ein Buch um die Ohre, rechts und links und hin und her, daß das Gewölbe erscholl. In Todesangst und höchster Eile wackelte das feiste Bürschlein auf den großmächtigen Pater Prior zu und klammerte sich schützend in dessen breites Skapulier. "Winfried!" donnerte des Paters gewaltige Stimme dem Verfolger entgegen; der blieb mit einem Rucke stehen. In den Fensterreihen des Kreuzgang hinunter aber erschienen ein Dutzend schmale, erschrockene Novizengesichter. Was würde wohl kommen?! "Er hab mich geschlagen! O Pater Prior, er hat mich sehr geschlagen!" jammerte der Dicke, und große, runde Tränen kugelten über sein erbostes, rosenrotes Angesicht. Der jüngere Mönch hatte dem kecken Stürmer das Buch abgenommen. Er schlug es auf und sah hinein. Da zog sich seine Stirne in zürnende Falten. "Seht an, Pater Prior - es ist das heilige Evangelium!" "Winfried", erklang wiederum das ernste Wort des Priors, "wie kamst du zu solchem Treiben?" "Ich habe ihm gar nichts getan!" beteuerte hinter dem Skapulier der Dicke. Winfried sah ihn mit seinen großen Augen an; es war, als ob ein lichter Schwertbelag aus ihnen hervorbräche. "Mir nicht!" sprach er, und seine Stimme zitterte wie eine Glocke nach dem Sturmgeläut; "mir nichts! 's ist war! - Doch mehr - sag ich nicht!" "Mehr sag ich nicht?!" wiederholte der Prior scharf; "gut, so sind wir schon zu Ende. Winfried, gar schmählich hast du die Klosterzucht geschändet. Ihr, Pater Erlafried, Ihr führt den schlimmen Knaben sogleich zum Turm. Dort mag er seinen Frevel büßen!" Der Mönch gab dem Jüngling einen kurzen Wink; dann ging er, die Hände unterm Skapulier verschränkt, voraus. Winfried folgte ihm stumm, und hinter beiden trippelte wie ein erschrockenes Kind der Sonnenschein bis an die schwarze kleine Pforte in dem dunklen Gange beim  Büßerturm. Da traute er sich nicht mehr mitzugehen. Schon fiel die Tür ins Schloß; der Sonnenschein huschte ängstlich fort und versteckte sich drüben in der Kirche unter dem großen silbernen Leuchter vor dem Hochaltar. Eine Wolke zog über das Land, und die Luft ward jählings düster. Ums Kloster von Nhutshelle tobte mit trotzigem Stürmen ein Lenzgewitter. Nach dem Wetterbraus lag die Landschaft still und ein wenig da wie nach großem Kummer - und atmete leise in verwehendem Nebeldunst. Große, dunkle Wolken wandelten gleich gewaltigen Schicksalen aneinander vorbei und schleppten schwarze Riesenschatten stöhnend über die Fluren; dazwischen rauschten gleich feierlich große Gedanken Lichtgarben aus der Höhe nieder und befruchteten die Matten mit feurigem Saaten. Die Ferne dehnte sich silberblau wie eine Jugendseele unendlich weit und rein, voll siegesschöner Hoffnung. Und die Stunden vergingen. Um den Büßerturm von Nhutshelle orgelte der Frühlingswind die Vesperpsalmen. Dann kam langsam der Abend vorbeigeschritten wie ein stiller heiliger Mönch im schwarzen, goldverbrämten Habit und wallte feierlich hinüber ins geheimnisdunkle, sterndurchzitterte Münster der Nacht. Zuletzt versank die Ferne im weißen Schäumen des Meeres wie eine rubinrote Krone. Da drehte sich droben im Turm die eichene Tür der Zelle. Der greise Prior trat ein. Er fand den Jüngling unbeweglich am Fenster kniend, die Stirn auf die Arme gelehnt. Mild legte er die Hand auf des Träumers Scheitel. "Winfried - schläfst du?" "Nein, Vater! - Ich sann nur so für mich!" "Was sannst du denn, mein Kind?" "Ich blickte in die weite Ferne; da sann ich ihr  nach - hinüber über's Nordmeer. Vater, dorthin sehn' ich mich, ich möchte hinüber - hinüberbrausen wie der Frühlingsstrum und den germanischen Völkern das heilige Evangelium des Herrn ..." "Das Evangelium um die Ohren schlagen!" fiel ihm der Prior mit feinem Spott leis' lächelnd in die Rede. In Winfrieds Wangen stürzte rote Beschämung. "Verzeiht mir, Vater! - Ich tat's im falschen Eifer. Jener Dicke hat das heilige Buch zuerst geschmäht - hat es in kindischem Zorn zu Boden geworfen, weil ihm ein Psalmvers nicht in sein träges Köpflein wollte. Da ergrimmte ich und ..." "Es ist vorbei, Winfried!" sprach ruhig der Prior. Dann schwiegen beide und sahen lange in die weite dunkle Nacht hinaus. Im Klostergarten drunten erhob der Frühlingswind von neuem seine Stimme. Sein Lied zog gleich dem Singen junger Helden machtvoll hinunter an den Meeresstrand. Von der Küste löste sich ein lichter Nebelstreif und fuhr wie ein Silberschiff hinaus auf hohe See. Seherhaft deutete der Prior ihm nach. "Winfried, hörst du den Frühlingssturm? Einst wirst du mit ihm ziehen - wenn du selber still geworden - wenn deine Stürme schweigen - wenn du das eine - Geheimnisvolle hast erkannt: Nie darf das Evangelium schlagen - es muß sich selbst zerschlagen lassen. Dann fängt es an zu blühen und wird zum Frühling für die Welt!"  (aus: Bonifatius: Wanderer Christi, ein Bonifatius-Lesebuch/hrsg. von Albert Erdle, Paderborn 1954.)

 Bonifatius war also inzwischen von England aufgebrochen.

Der Missionar - 1. Romreise (dn)

Das Ziel des berühmten Missionars war diesmal ein ganz anderes, ihn zog es nach Rom. Er wollte vom Petrusnachfolger Auftrag und Vollmacht für die Mission einholen. Mit einem Empfehlungs-schreiben von Bischof Daniel von Winchester versehen, reiste er zu Papst Gregor II. (715-731). Nach mehreren Audienzen erhielt er von ihm den Missionsauftrag. Einem älteren Brauch entsprechend gab dieser ihm auch den Namen des Heiligen, der am Vortag gefeiert wurde: Bonifatius. Winfried verwandt später nahezu nur noch diesen Namen, was seine tiefe Verbundenheit mit Rom bezeugt.

Damals lagen die Länder nördlich der Alpen und die peripheren Germanenstämme nicht sehr im Blickfeld der Kirche. Rom war damals keineswegs das Zentrum einer katholischen Kirche. Weder die östlichen Kirchen noch die fränkische Landeskirche erkannten die Autorität des Papstes an. So fehlt in den Papieren und Urkunden des Papstes die Nennung eines speziellen Missionsgebietes oder -volkes. Bonifatius zog zuerst nach Thüringen, was aus römischer Sicht als schon missioniert galt, tatsächlich aber war dort das religiöse Leben von vielerlei heidnischem Brauchtum durchsetzt. Weil der Friesenherzog Radbod gestorben war ging er dann nach Friesland zu Bischof Willibrord. „Dieser große Missionar übte als erster jene Methode der Heidenbekehrung, die später für Winfried Bonifatius beispielhaft wurde: Er sicherte sich den Schutz des fränkischen Machthabers [...], holte sich in Rom die apostolische Vollmacht und den Segen des Papstes und gründete in ständiger Zusammenarbeit mit den höchsten Autoritäten in Staat und Kirche als Kraftzentren und Stützpunkte der Mission Bistümer und Klöster“.

Eigentlich wollte Willibrord Bonifatius zu seinem Nachfolger als Bischof von Utrecht machen, warum Bonifatius ablehnte ist nicht ganz klar, er tat es jedenfalls und trennte sich von Willibrord.

Pfalzl

Auf seinem Weg nach Hessen machte er Station im Kloster Pfalzl, das von der Äbtissin Adela gegründet worden war. Ihr Enkel Gregor war mit der Tischlesung beauftragt. Als er den lateinischen Text vorgelesen hatte, bat ihn Bonifatius das gelesene doch in der Volkssprache wiederzugeben. Gregor war dazu nicht in der Lage und so übernahm es der angelsächsische Gast selbst. Gregor zeigte sich von diesem Erlebnis so beeindruckt, dass er sich Bonifatius anschloss und einer seiner treuesten Schüler wurde.

Bonifatius kommt nach Hessen (dn)

721 zog Bonifatius nach Hessen. Dieses Gebiet gehörte politisch zum Frankenreich, war aber stark von Einfällen heidnischer Stämme, allen voran durch Sachsen, bedroht. Die fränkische Kirche, bestand schon länger als die englische, kümmerte sich aber kaum um die Missionierung, und die Völker der Hessen und Thüringer waren nicht interessiert, den Glauben der Besatzer näher kennenzulernen. Es gab hier auch keine Bistümer und keine Bischöfe. 

„Ex pagano Christ“, oder: 
von der Kunst aus einem Heiden einen Christ zu machen

Die Heiden haben ihre Götter, ihre Feste, ihre Spiel, ihre Mythen. Sie verehren ihre Götter in der Natur, in tiefen Wäldern, in Hainen, an Bäumen, an Quellen. Einen Holzstamm, aufgestellt zu Ehren des Gottes Irmin, verehren die Sachsen, eine Irminsul, einen Weltbaum, der alles trägt.

Sie tragen Amulette um den Hals, kleine Götterbilder, die sie schützen sollen vor allem Bösen. Sie ziehen Furchen um ihre Dörfer, um Unholde fernzuhalten, sie schnitzen Hände und Füße aus Holz als magische Mittel, sie lassen Hörner tönen, um das Böse fern zu halten. Wahrsager haben sie, die ihnen ihre Zukunft deuten aus toten Pferden und Vögeln, auch aus Stäben mit eingeritzten Runen, den Buch-Staben. Zaubertränke mischen sie. Mit Zaubersprüchen versuchen sie das Wetter zu ändern.

Die Opferbräuche der Heiden haben Kraft. Ihre Götter kann man sehen. In Bildern aus Holz, Stein, Metall.

Sich taufen zu lassen, das heisst „ja“ sagen zu einem Gott, den man nicht sieht, zu einem Gottessohn, der wie ein Verbrecher am Kreuz starb. Das war nicht leicht für viele Heiden, deshalb fielen auch viele wieder und wieder ins frühere Heidentum zurück. 

„Geht in alle Welt“ - Missionsauftrag (dn)

Die Kirche der damaligen Zeit war, ausgehend von dem Missionsauftrag Jesu Christi (Mt 28,18-20), davon überzeugt, dass allein der christliche Glaube dem Menschen ewiges Heil vermitteln könne. Bedeutsam war ferner, dass die Kirche im frühen Mittelalter der einzige Träger der Schriftkultur war und damit ein Bildungsmonopol hatte. Weder musste sie sich mit Apologien des schriftlosen Heidentums auseinandersetzen, noch konnten Außenstehende, d.h. Menschen, die in der christlichen Religion nicht unterwiesen waren, die Aussagen der Missionare überprüfen. Der Gehalt des Glaubens der zu gewinnenden Heiden hing also in entscheidendem Maße von dem Inhalt der Missionspredigt ab. Ergaben sich hierbei Verschiebungen gegenüber der kirchlichen Lehre, wurden diese von den bekehrten Christen gleichwohl als offizielle Lehre aufgenommen.

Ein anderer Aspekt der damaligen Missionssituation verbirgt sich hinter dem Begriff Gentilreligion. Der Zuständigkeitsbereich der germanischen Götter endete an der Grenze der Gemeinschaft, der Sippe; niemand wäre auf die Idee gekommen zu missionieren. Andererseits war die Religion aber auch Angelegenheit aller. Hielt sich einer nicht an die kultischen Gebräuche und Vorschriften, beschwor er den Zorn der Götter herauf, und er wurde verbannt oder hingerichtet. Das von den Göttern erwartete Heil bezog sich auf Fortpflanzung, Fruchtbarkeit und Sicherung des politischen Bestands der eigenen Sippe, nicht so sehr auf eine jenseitige Gerechtigkeit. Das Problem bestand nun darin, ganze Stammesverbände zu missionieren und dafür zu sorgen, dass der neue Gott nicht einfach in den Kreis der vorhandenen Gottheiten eingegliedert wurde, sondern das er ein einziger Gott sein sollte. 

Die bisher in der germanischen Mission arbeitenden iro-schottischen Mönche waren vielfach mehr Asketen als Seelsorger, und dazu ausgeprägte Individualisten. Sie arbeiteten in der Regel für sich alleine, und sie hielten auch in der Fremde steif an ihren Sondergebräuchen fest. Die Errichtung einer Kirchenstruktur oder eine tiefer gehende Katechese lagen ihnen fern. 

Amöneburg - die Erstgründung (dn)

An die Spitze der rechtsrheinischen Stämme, die von den Franken unterworfen worden waren, kamen zwar oft christliche Herzöge, aber diese waren Fremde und nicht aus den Volksgruppen selbst hervorgegangen. Ihr „Christsein“ führte so zu keinen Bekehrungen. Wegen des Fehlens einer geregelten Seelsorge verkümmerte also vielerorts die christliche Substanz. Christlicher Glaube und heidnische Gebräuche lebten in einem unguten Nebeneinander.

Solche Zustände werden wohl auch bei den Gebrüdern Dettic und Deorulf auf der Festung Amöneburg geherrscht haben.

So war die Aufgabe, die sich Bonifatius "in Amöneburg stellte, symbolisch und programmatisch für sein ganzes Lebenswerk: die Reinigung eines heidnisch überwucherten, noch rohen Christentums war die erste Stufe zur kanonisch-abendländischen Erneuerung des Kirchentums".

In Amöneburg errichtete Bonifatius im Jahre 721 sein erstes Kloster. Die Klostergründungen wurden vielerorts zum Rückgrat, aus dem die mühevolle und langwierige Erziehungsarbeit im christlichen Glauben erfolgen musste. 

Benediktiner und Germanen (dn)

Zunächst etwas zu den Benediktinergebräuchen und dem Germanentum. Die Organisation eines Benediktinerklosters entsprach weitgehend der Stammesverfassung, die die Germanen hatten. An ihrer Spitze stand ein Wahlkönig, vergleichbar dem Abt; wählbar war jeder freie Volksgenosse, im Orden jedes Mitglied des Konvents. Auch die Letztverantwortlichkeit des Abtes entsprach der des Königs. So kam das Kloster als Familie, unter dem Regiment des Vater Abtes, dem Familiensinn der Germanen sehr entgegen und schaffte Sympathien.

Bonifatius wirkte mit Erfolg; viele wurden getauft, und ins Heidentum Zurückgefallene in die Kirche zurückgeführt. Da er die Überzeugung vertrat, dass die enge Gemeinschaft mit Rom für das Gedeihen der Kirche unabdingbar sei, sandte er seinen Landsmann Bynnan mit einigen Anfragen zur Missionspraxis nach Rom Darauf folgte eine Einladung des Papstes.

Der Bischof - 2. Romreise (dn)

Bonifatius reiste im Herbst 722 mit großem Gefolge nach Rom. Dort galt er als erfolgreicher Missionar und fand starke Beachtung. Am 30. November dieses Jahres weihte ihn Papst Gregor II. zum Bischof. In dem Bischofseid, den Bonifatius ablegte, befindet sich auch der Passus: „Ich, Bonifatius, durch Gottes Gnade Bischof, gelobe [...] Mit Bischöfen jedoch, die gegen die altehrwürdigen Satzungen der heiligen Väter verstoßen, keinerlei Gemeinschaft und Verbindung zu halten - ihrem Treiben vielmehr Einhalt zu tun, soweit ich vermag, oder zumindest meinem Apostolischen Herrn gewissenhaft darüber zu berichten“. Nun mit Bischofsvollmacht und Empfehlungsschreiben an die thüringischen Edlen sowie an den fränkischen Hausmaier Karl Martell ausgerüstet, machte sich Bonifatius auf den Heimweg. Albert Hauck schreibt dazu: „Uns mag es als ein Herabsteigen erscheinen, daß er mehr und mehr aus einem freien Prediger des Evangeliums zu einem päpstlichen Beauftragten wurde; er betrachtete die Sache aus einem ganz anderen Gesichtspunkte: seine Abhängigkeit von Rom dünkte ihn eine Erhöhung, eine Festigung seiner Stellung“.

Der Bischofseid des hl. Bonifatius
30. XI. 722

        Im Namen des Herrn und unseres Erlösers Jesus Christus!
        Im VI. Regierungsjahr des erhabenen, von Gott gekrönten Kaisers Leo -
        im VI. Jahr nach seinem Konsulat - und
        im IV. Regierungsjahr seines Sohnes und Mitkaisers, des erhabenen Konstantin -
        in der VI. Indiction 
ICH,
BONIFATIUS,
DURCH GOTTES GNADE BISCHOF
GELOBE 
          DIR, heiliger APOSTELFÜRST PETRUS
          und Deinem Stellvertreter,
          dem heiligen PAPST GREGOR,
          und SEINEM NACHFOLGERN
          bei der unteilbaren DREIFALTIGKEIT
          dem VATER + dem SOHN + dem HL. GEIST + 
          und bei diesem Deinem HOCHHEILIGEN LEIB: 
In voller Treue und Einheit zum heiligen katholischen Glauben zu stehen und mit Gottes Beistand in der Einheit dieses Glaubens, auf dem ohne Zweifel alles Heil der Christen beruht, zu verharren - 

In keiner Weise jemals irgendwelche Machenschaften gegen die Einheit der gemeinsamen und allgemeinen Kirche zuzustimmen - sondern, wie ich gesagt habe, meinen Glauben, meine Glaubensreinheit und meinen Beistand Dir und dem Wohl Deiner Kirche, der von Gotte dem Herrn die Gewalt zu binden und zu lösen verliehen ist, und Deinem eben genannten Stellvertreter und seinen Nachfolgern in allem zu weihen. -

Mit Bischöfen jedoch, die gegen die altehrwürdigen Satzungen der heiligen Väter verstoßen, keinerlei Gemeinschaft und Verbindung zu halten - ihrem Treiben vielmehr Einhalt zu tun, soweit ich vermag, oder zumindest meinem Apostolischen Herrn gewissenhaft darüber zu berichten. -

Sollte ich - was fern sein möge! - jemals versuchen, in irgendeiner Weise oder in irgendeiner Absicht oder aus irgendeinem Anlaß, gegen den  Inhalt dieses Versprechens zu verstoßen, dann möge ich im ewigen Gerichte schuldig befunden werden und der Strafe des Ananias und der Saphira verfallen, die durch falsche Angaben über ihren Besitz Dich zu betrügen versuchten. 

            Diese eidliche Erklärung habe ich,
            der unwürdige Bischof Bonifatius,
            eigenhändig niedergeschrieben und
            auf Deinen hochheiligen Leib gelegt.
            Gott zum Zeugen und Richter anrufend
            habe ich den vorstehenden Eid geleistet
            und ich gelobe, ihn zu halten.

Das war etwas neues, niemals vorher hatte ein germanischer oder fränkischer Bischof dem Papst den Treueeid geleistet.

Bonifatius und Karl Martell (dn)

Auf der Rückreise traf er mit Karl Martell, dem fränkischen Hausmeier, zusammen. Dieser war offenbar so sehr darüber erfreut, dass der Papst Bonifatius an ihn und nicht an das offizielle Staatsoberhaupt, den Merowingerkönig, verwiesen hatte, dass er, was er nie zuvor getan hatte und auch hinterher nicht wieder tat, sein Empfehlungsschreiben als merowingische Königsurkunde abfasste. Bonifatius gestand selbst: „Ohne den Frankenfürsten kann ich das Kirchenvolk nicht leiten, die Priester, Kleriker, Mönche und Nonnen nicht schützen. Wenn ich mich nicht auf seinen Auftrag berufen könnte und das Volk ihn nicht fürchtete, wäre ich außerstande, Heidenbrauch und Götzendienst in Germanien zu unterdrücken“. Doch war Karl Martell keineswegs jemand, der der Kirche und ihrem Eigentum und Einrichtungen besonders freundlich gegenüber stand. Die fränkische Landeskirche befand sich seinetwegen am Rande des Verderbens. Der Wille der weltlichen Macht ersetzte kirchliches Recht. Seit mehr als hundert Jahren hatte keine Verbindung mehr zwischen der fränkischen Kirche und dem römischen Papst bestanden. Der Hausmeier hatte seine Parteigänger großzügig mit Bistümern und Abteien belohnt; auch griff er auf kirchlichen Grundbesitz zurück, um die Mittel für seine Heere aufzubringen.

Wieder widmete sich Bonifatius der Mission und der Organisation kirchlicher Strukturen in Hessen-Thüringen. In den Jahren 723/724 wirkte er in Hessen als Missionsbischof, aber noch ohne klar festgelegten Sprengel.

„In loco, qui dicitur Gaesmare“, oder: 
Die Donar-Eiche bei Geismar (dn)

Wahrscheinlich in das Jahr 723 fällt eine seiner berühmtesten Taten: die Fällung der Donar-Eiche bei Geismar. Inzwischen hatten sich in Hessen zwei Parteien gebildet, eine christliche und eine, die besonders zäh an dem heidnischen Brauchtum festhielt. Wie zu einem Gottesurteil kam man zusammen; schon Tage vorher war das Gerücht verbreitet worden, dass der Bischof Bonifatius die berühmte Kult-Eiche zerstören wolle. Bonifatius fällte die Eiche, ohne dass der Zorn Donars auf ihn niederkam, und baute aus deren Holz eine Kirche, die er, aus Verbundenheit mit Rom, dem heiligen Petrus weihte. Die Bekehrung vieler Heiden war dann ein fast vertragsähnlicher Glaubenswechsel, zu dessen Nachbereitung - sprich Katechese - Bonifatius in Fritzlar (Fritzlar, von Fridelar - Ort des Friedens)  ein Kloster gründete. Diese Tatenmission, das Zerstören heidnischer Kultstätten, war damals nicht unüblich. Padberg merkt außerdem an, dass sie auch gar nicht so heldenhaft war, da sich in unmittelbarer Nähe die fränkische Festung Büraburg-Fritzlar befand und so keine große Lebensgefahr bestand.

Bonifatius und die fränkische Landeskirche (dn)

Bonifatius hatte auch persönliche Feinde, weniger unter den Heiden, als vielmehr beim fränkischen Klerus. So machte ihm Gerold von Mainz die missionierten Gebiete streitig. Bonifatius wandte sich daraufhin an den Papst, der wiederum  setzte sich mit Karl Martell in Verbindung, der den fränkischen Bischof dann wohl zur Ordnung rief. Jedenfalls wird von weiteren Auseinandersetzungen mit ihm nichts mehr berichtet. 725 wandte sich Bonifatius der Mission in Thüringen zu, das in Rom als schon missioniert galt. Aber nach dem Martyrium von Kilian, Kolonat und Totnan im Jahre 689 war, aufgrund fehlender Kirchenstrukturen, das Christentum vielfach wieder von heidnischen Gebräuchen überwuchert. Es wird von Priestern berichtet, die sowohl die hl. Messe feierten als auch Donar opferten. Ebenso wird von Priestern erzählt, die in Unzucht lebten und das Volk gegen den Bischof aufhetzten. Es kam sogar soweit, dass sie einen Aufstand gegen Bonifatius anzettelten, den Bonifatius aber überwinden konnte. Die Anführer wurden vor Gericht gestellt. Ein anderes Problem war politischer Art. Die äußerlich christlichen Frankenherzöge Theobald und Heden hatten ein drückendes Willkür-Regiment geführt und so das thüringische Volk gegen sich aufgebracht.

Bonifatius und sein Verhältnis zu Rom (dn)

Anfragen zur Taufpraxis an den Papst zeigen die Schwierigkeit seiner Arbeit auf. Er fragt zum Beispiel ob eine Taufwiederholung nötig sei, wenn der spendende  Priester ehebrecherisch und unwürdig leben würde, ob die Taufe wiederholt werden müsse, wenn es keine Zeugen für diese mehr gäbe, und ob die Taufe durch „notorische Heiden“, d.h. durch Priester, die nicht davon abließen, Wodan zu opfern, gültig sei. (Nein/Ja/Nein) 731 folgte Papst Gregor III. (731-741) auf den verstorbenen Vorgänger. Bonifatius sandte ihm Glück- und Segenswünsche per Boten, stets um ein gutes Verhältnis mit Rom bemüht. Der Papst dankte ihm und übersandte ihm 732 das Pallium; Bonifatius war Erzbischof.

In der folgenden Zeit wurde Bonifatius immer mehr Organisator denn Missionar. Im Jahre 732 stand Karl Martell, nach den Siegen  bei Tour und Poiters gegen die Türken auf dem Höhepunkt seiner Macht, so dass ihm wenig daran lag, den angelsächsischen Missionar und Reformer zu unterstützen, der so viel Unruhe in die fränkische Landeskirche brachte und den Adel verärgerte. Bonifatius nutzte die folgenden Jahre zum Ausbau seines Missionswerkes. Er gründete zahlreiche Klöster, baute Kirchen aus; viele Angelsachsen kamen ihm dabei zu Hilfe, u.a. Lioba, eine Verwandte, die Äbtissin in Tauberbischofsheim wurde und heute neben ihm im Fuldaer Dom begesetzt ist. Bald war eine Provinzialkirche entstanden, die die fränkische Landeskirche an religiösem Leben bei weitem übertraf. Auf einer Bayernreise schloss sich ihm ein Schüler namens Sturmi an, der der erste Abt des Klosters Fulda wurde. Als sich im Jahre 737 die politischen Verhältnisse im Frankenreich änderten, schien es Bonifatius angeraten, zu Papst Gregor III. zu reisen. 

„Legatus Germanicus et servus sedis Apostolicae“ 
Der päpstliche Legat - 3.Romreise (dn)

Es gibt Vermutungen, dass sich Bonifatius, inzwischen über 60 Jahre alt, Gedanken über seinen Ruhestand machte. Doch der Papst entsandte seinen Missionar, diesmal als päpstlichen Legaten, neu zu den Germanen. Zwar war es aufgrund der Zustände im Frankenreich zunächst nur ein Ehrentitel, er beinhaltete aber die Option umfassender Reformen. 738 verließ Bonifatius Rom wieder und wandte sich zunächst der Reform der Kirche in Bayern zu. 741 kehrte er wieder in den hessisch-thüringischen Raum zurück und errichtete die Bistümer Würzburg, Büraburg und Erfurt. In diesem Jahr starben Papst Gregor III., auf den Papst Zacharias (741-752) folgte, und Karl Martell. Auf Letzteren folgten seine Söhne Karlmann und Pippin, die im Kloster St. Denis erzogen worden waren und Bonifatius und seinen Ideen positiver gegenüberstanden als ihr Vater. 

Das „Concilium Germanicum“ (dn)

Karlmann regte eine Synode an, freilich mehr aus politischen Gründen, denn aus Sorge um die Kirche. Er wollte mit einer Kirchenreform die Vormacht des Adels brechen, der sich auf okkupiertes Kirchengut stützte. 743, oder 744, kam es dann zu der entscheidenden Synode, dem „Concilium Germanicum“, an einem unbekannten Ort. Es nahmen neben dem Hausmeier nur Bonifatius und sechs reformwillige Bischöfe teil (Burkhard von Würzburg, Willibald von Erfurt, Dadamus von Utrecht (?), Heddo von Straßburg, Reginfred von Köln und Witta von Büraburg). Das aber machte die Arbeit der Versammlung effektiv. Die Beschlüsse wurden berühmt, auf folgenden Synoden und Kirchenversammlungen noch oft bestätigt und zumindest dieses Mal als Kapitularien, d.h. als verbindliche Reichsgesetze, durch Karlmann verkündet. Zu den  Beschlüssen gehörten u.a.: 

  • Bonifatius wird als Metropolit über die Bischöfe bestätigt;
  • es sollen jährlich Synoden abgehalten werden;
  • unzüchtige Kleriker sollen ihre Einkünfte genommen werden;
  • Bischöfe und Priester dürfen keine Waffen tragen, keine Hunde und Falken halten und nicht zur Jagd gehen;
  • Wahrsagerei, Götzenopfer und Verkauf von Amuletten sollen bekämpft werden;
  • die Missachtung des Zölibats soll harte Strafen nach sich ziehen;
  • Bistümer sollen nicht mehr Laien übergeben werden;
Besonders der erste Punkt schaffte Klarheit über die Position, die Bonifatius innehatte. Bisher war er nur in Hessen, Thüringen und Bayern als Erzbischof und päpstlicher Legat aufgetreten. Nun konnte er dies durch die Anerkennung Karlmanns auch im übrigen germanischen Teil des fränkischen Reiches tun, um so die notwendige Reform der Kirche durchzuführen. Auch das geschah nicht nur um der Kirche willen. Karlmann hoffte immer noch auf eine Entmachtung des Adels, und er rechnete damit, dass eine kirchliche Einigung auch eine politische Einheit mit sich bringen würde. Bonifatius war, etwa 70 Jahre alt, auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Karlmann versprach sogar enteignetes Kirchengut zurückzugeben, was aber am massiven Widerstand des Adels scheiterte. Als Lösung wurde dann eine Regelung eingeführt, die die neuen Besitzer zu Pachtzahlungen gegenüber der Kirche verpflichtete. Aber das schaffte dem Reformer Bonifatius wieder Feinde. In das Jahr 744 fällt dann die Gründung des Klosters Fulda.

Fulda - ein Musterkloster (dn)

Auf dem Höhepunkt seiner Arbeit als Organisator und Reformer der fränkischen Kirche verwirklichte Bonifatius einen weiteren Plan, die Gründung eines benediktinischen Musterklosters. Dazu schickt er seine Schüler Sturmius nach Italien um die Gebräuche der berühmten Benediktinerklöster zu studieren. 743 ließ er sich einen Platz, an dem eine verfallene fränkische Hofanlage lag, von Karlmann übertragen. Sein Schüler Sturmius errichtete an dieser Stelle am 12. März 744 ein Kreuz und begann, durch Bonifatius angeleitet, mit den Bauarbeiten. In der Folgezeit lebte Bonifatius, der mehr und mehr von den Schauplätzen der Geschichte verdrängt wurde, hier jedes Jahr eine längere Zeit. Bonifatius, der die erste Hälfte seines Lebens als benediktinischer Mönch gelebt hatte, nutzte die Zeit zur Erholung in Gebet und Betrachtung. Im Jahre 751 bat er Papst Zacharias dem Kloster das Exemtionsprivileg zu verleihen, d.h. es direkt und unmittelbar dem apostolischen Stuhl zu unterstellen und es somit jeder anderen geistlichen Gewalt zu entziehen. In diesem Brief äußerte er auch den Wunsch, in Fulda begraben zu werden.

Bonifatius und seine Probleme mit verschiedenen Bischöfen (dn)

Bonifatius musste sich mit dem Wildwuchs im Weinberg Gottes beschäftigten, so mit dem Bischof Aldebert, der einen Brief, von Christus selbst gesandt, bekommen zu haben, behauptete und nun die Menschen an der Nase herumführte, sich von einfältigen Bischöfen selbst zum Bischof weihen ließ, Kirchen auf seinen Namen weihte, seine selbst geschriebene Vita in Umlauf brachte und Haare als „Reliquien“ verteilte.

Ein anderes Beispiel ist Bischof Clemens, der mit seiner Frau und zwei Kindern zusammenlebte, alle möglichen Irrlehren verbreitete und, da er mächtige Beschützer hatte, Bonifatius lange Zeit zu schaffen machte. Die Bischöfe Milo von Trier und Reims und Gewilip von Mainz hatten ihre Bistümer von ihren Vätern geerbt, und während Gewilip durch einen Synodenbeschluss abgesetzt werden konnte, blieb Milo noch über die Lebzeiten des Bonifatius hinaus im Amt. Er starb auf einer Eberjagd vermutlich im Jahre 757.

Reformstau (dn)

745 tagte ein gesamtfränkisches Konzil unter Vorsitz des Bonifatius, aber in Abwesenheit der Hausmeier, so dass es nicht zuletzt deswegen auch weniger bedeutend war. Auf dieser Versammlung wurde Köln als Metropolitan-Sitz beschlossen. Doch seine Feinde waren mächtig genug, zu verhindern, dass dieser Beschluss durchgesetzt wurde. Anstelle des Bonifatius, der vom Papst bereits zum Erzbischof von Köln ernannt worden war, setzten sie einen anderen ein. Um endlich einen festen Sitz zu haben, begnügte er sich 747 mit dem Bischofssitz zu Mainz. 

746/747 kam die Reform ins Stocken. Die Beschlüsse des „Germanischen Konzils“ wurden immer nur wiederholt und bestätigt. Karlmann und Pippin wurden zurückhaltender. Zwei Gründe gab es dafür. Zum einen behinderte die politisch-kirchliche Verquickung eine radikale Reform, zum anderen ging die Initiative von Bonifatius und seinen angelsächsischen Mitstreitern immer mehr auf einheimische Kräfte über. Vielen trat Bonifatius mit seinem Reformstreben zu nahe, da sie um ihre Pfründe fürchten mussten, es kam zu Antipathien, sogar zu Mordplänen. Bonifatius schreibt an eine Äbtissin: „Die Feindseligkeit der falschen Brüder ist schlimmer als die Bosheit der ungläubigen Heiden“.

Als Karlmann dann im Jahre 747 in das Kloster Monte Cassino eintrat, verlor Bonifatius eine große Unterstützung. Dessen Bruder Pippin verließ sich mehr auf die fränkischen Reformkräfte, so dass Bonifatius zunehmend an den Rand des Geschehens rückte. Als Pippin dann zum König gesalbt wurde, wäre dieser Akt eigentlich die Aufgabe des Bonifatius als höchstem Kirchenvertreter des fränkischen Reiches gewesen. Seine Teilnahme und Mitwirkung gilt aber als fraglich, zumal Pippins Salbung durch Bonifatius erstmalig in einer Chronik aus der Zeit Karls des Großen Erwähnung findet. Mag seine Beteiligung an der Königssalbug auch unwahrscheinlich sein, so erwuchs diese doch aus seinen Mühen. 

Bevor er sich etwa 80jährig noch einmal auf Friesenmission begab, sorgte er sich um seine Mitstreiter, die überwiegend Angelsachsen waren. Er schrieb an Abt Fulrad von St.Denis (Erzkaplan des 747 zum König gesalbten Franken Pippin) einen Brief, in dem er den König bittet, mitzuteilen, wie er nach des Bonifatius Tod seine Schüler zu versorgen gedenke. „Denn es handelt sich um fast lauter Landfremde. [...] Für sie alle bin ich bekümmert, damit sie nicht nach meinem Tode verlorengehen, sondern als Zeichen Eurer Belohnung den Rat und den Schutz Eurer Hoheit erfahren, und nicht zerstreut sind wie die Schafe, die keinen Hirten haben“.

Das Martyrium (dn)das Martyrium

War Bonifatius aus England aufgebrochen, um Missionar zu sein, so wirkte er doch viele Jahre als Organisator und Reformer in der fränkischen Landeskirche. Im Alter von etwa 80 Jahren zog es ihn nochmals nach Friesland, dem Ort seines ersten Missionsversuches. Im Frühjahr 754 schlug er die Zelte unweit der Küste am Fluss Doorn nahe Dokkum auf. „Die Ernte war reich. [... nun] konnte er ein große Zahl von Friesen taufen. Dabei lud er die Neugetauften ein, am folgenden Mittwoch zum Empfang der Firmung zu kommen. Aber statt der Firmlinge erschien am Morgen des 5. Juni eine bewaffnete Horde von beutegierigen Heiden und metzelte Bonifatius und seine Gefährten nieder. [...] Die Nachricht vom Tod des Bonifatius verbreitete sich in Windeseile. Wenige Tage nach dem blutigen Ereignis brach ein fränkisches Heer zu einer Strafexpedition gegen die Mörder auf. Neben den Leichen der Blutzeugen barg es auch ihre Habe, vor allem die zerstreuten Bücher“. In einem triumphalen Leichenzug wurde er nach Fulda überführt und seinem eigenen Wunsch gemäß, dort am 9. Juli 754 beigesetzt.

Der Frühling von Nhutshelle IIder Ragyntrudis - Codex

Jahre waren dahingefahren, mehr als ein Menschenalter zählt. Wieder war es Abend.  Am Nordseestrand, an der Frieslandküste erhob sich ein kleines, braunes Zeltdorf, inmitten ragte das Kreuz der Heidenmission. Durch die Zeltgassen fuhr jauchzend der Frühlingswind wie ein loser, frischer Knabe an den Strand hinab, warf den tanzenden Meerfrauen Hände voll Sand in die grünäugigen Gesichter, bis sie ihn zornig mit funkelndem Gischt übergossen. Da sprang er mitten unter sie in die salzige Flut, und kreischend flohen sie vor ihm in die Weite. Ein anderer Knabe, flachshaarig und schlank, saß am Ufer, neben ihm ein ehrwüdiger Greis im Mönchsgewand. Aus einem breiten Buche las der Knabe vor. - "Wenn das Weizenkorn nicht stirbt, so bringt es keine Frucht!" - - So klang die helle Stimme des jungen Lesers zu dem Mönch empor. Da legte dieser die Hand auf des Knaben Schulter. "Hier, halte ein, Luidger - nein - lies das nochmal und dann sei's genug!" Der Knabe wiederholte die heiligen Worte; dann ward es stille. Lange sah der Greis in tiefem Schweigen auf die See hinaus. Zaghaft wagte endlich Luidger die leise Frage: "Vater Bonifatius, was sinnt Ihr denn so lange?" Der Mönch sah milde den Knaben an. "Ich will Dir des heiligen Textes Sinn ausdeuten!" sprach er, und dann erzählte er mit verhaltener Stimme aus längst vergangener Zeit. Eine alte merkwürdige Geschichte vom Kloster zu Nhutshelle in Engelland, von einem feuerlodernden Jüngling, der dort einst mit dem Evangelienbuch den Mitbruder gar hart geschlagen, vom dunklen ernsten Büßertum - und von des grauen längst verstorbenen Priors seltsamem Wort: "Das Evangelium muß zerschlagen werden; dann wird's zum Frühling für die Welt!" ... "Das Evangelium zerschlagen? Nimmermehr! Das ließ ich nicht zu! Wozu gab mir der Vater in Mainz ein Schwert mit auf die Fahrt ins Friesenland!" So trotzte mit leuchtendem Auge der Knabe auf. Der Greis lächelte und blickte auf den Knaben in seltsamer Ahnung. "Komm, Luidger, wir wollen zur Ruhe gehen, damit du morgen mit frischen Sinnen zum Firmungsfest mir dienen kannst!" Gehorsam geleitete der Knabe den Mönch zum großen Zelt, dicht neben dem Missionskreuz. Dann huschte er fort und suchte selbst sein hartes Lager auf. Still verdämmerte die Nacht. Dann erhob sich die Sonne, breitete im wallenden Goldgewande die Arme weit über das Land und sprach einen feierlichen Blütensegen über alle Gaue. Im Zeltlager am Nordseestrande waren alle Menschen schon gerüstet. Beim Missionskreuze stand der greise Mönch im bischöflichen Schmuck, das große Evangelium im Arme, umringt in weitem Kreise von seinen Gefährten. Schweigend harrten alle. "Wo ist Luidger?" sprach der Bischof nach einer Weile zu einem der Diener. "Vater, er ging mit den anderen Knaben ins Fischerdorf, die jungen Firmlinge abzuholen! - Bald wird ..." Da zerriß eine helle Stimme das ehrfürchtige Schweigen. Atemlos stürzte Luidger heran. "Waffen, Waffen! - Die Heiden kommen, uns zu morden!" Ein wirres Getümmel entstand. Die Gefährten eilten durcheinander zu den Zelten, um Schwert und Schild zu holen. Aber des Bischofs mächtiges Wort bannte ihre Schritte. "Brüder, laßt die Schwerter! Wenn der Herr es will, so geziem es uns als Christen zu sterben!" Da stürmte schon eine wilde Rotte mit wüstem Geschrei die Zeltgasse herauf. Zischend blitzten ihre Äxte auf die Christen nieder, und blutüberströmt sanken sie schweigend zusammen. Ein riesiger Germane sprang mit hochgeschwungener Waffe auf Bonifatius zu. Da warf sich Luidger mit weit ausgebreiteten Armen ihm in den Weg. Doch ein furchtbarer Dolchstoß zerriß ihm die junge Brust. Beschwörend hielt der Bischof das mächtige Evangelium dem Unhold entgegen. - Dann: ein gewaltige Schlag! - Das Buch krachte zerspalten zu Boden; mit tödlicher Hauptwunde sank Bonifatius neben ihm zur Erde. Bald wurde es still auf der Blutstatt. Scheu und geduckt schlichen die Mörder davon, von ihrer eigenen Tat geängstigt. Noch hielt sich Bonifatius halbaufgerichtet. Von seiner Stirne strömte roter Regen in breitem Strome. Er hob den brechenden Blick und sah rings die Gefährten liegen vom Blut umflossen wie von einem Rosenmeer. Rosen, Rosen überall - ringsum blühende Rosen im Lenz! Dicht neben dem Bischof lag der Knabe Luidger - zwischen beiden das zerschlagene Evangelienbuch. Der Knabe lebte noch. Aus seiner Brust flloß in kurzen Stößen warmes Blut; der Schmerz preßte ihm Tränen aus den Augen. Todmüde hob Bonifatius die bebende Hand und gab dem jungen Blutzeugen den letzten Sterbesegen. Dann sank er neben des Knaben Antlitz nieder. Noch einmal öffneten sich seine Lippen: "Luidger, weine nicht! Weine nicht! - Nun bricht er an - der große Frühling - der Frühling von Nhutshelle!" Da erhob sich vom Meere her der Frühlingssturm und wuchs gewaltig empor wie ein Engel des Herrn im Sonnengewande. Er schlug das Evangelienbuch auf vor den Füßen des toten Apostels und sang mit brausender Stimme: "Initium sancti Evangelii!" Und nahm das erste Blatt und trug es weit hinein ins deutsche Land.  (aus: Bonifatius: Wanderer Christi, ein Bonifatius-Lesebuch/hrsg. von Albert Erdle, Paderborn 1954.)

Das Missionswerk des Heiligen - Zusammenfassung (dn)

Winfried-Bonifatius wollte Missionar sein. In der Tat war er aber nicht der erste und einzige, der den Germanen in Hessen und Thüringen das Christentum brachte. Bereits 587 verstarb die christliche Königstochter Radegundis in Frankreich, die aus Thüringen stammte und noch heute im Bistum Fulda und vor allem in Frankreich als Heilige verehrt wird (hl. Radegundis von Thüringen, 518 - 587).

Doch die iro-schottischen und die wenigen fränkischen Missionare hatten das Land verlassen, nachdem sie den Samen des Christentums ausgestreut hatten, ohne dass der Glauben den Neugetauften verinnerlicht worden war.

Bedeutsam ist außerdem, dass der Impuls zur Mission Germaniens nicht von Rom ausging, sondern Bonifatius von sich aus den Kontakt zum Papst suchte und damit der Institution Kirche zu einer Einheit verhalf, die bedeutenden Einfluss auf die Politik haben sollte.

 Die Ordnung der bestehenden Kirche im Frankenreich und die Organisation in Hessen und Thüringen bildeten die Grundlage für das karolingische Königtum und dessen Aufstieg im Mittelalter.

 Bonifatius gab dem Christentum einen festen Halt; er ermöglichte durch seine zahlreichen Klöstergründungen eine geordnete Glaubensunterweisung und die Entfaltung kirchlichen Lebens. Durch sein unermüdliches Reformstreben suchte er die heidnischen Bräuche abzuschaffen und Mißstände, wie z.B. die Übergabe von Bistümern an Laien, abzuschaffen.

 Sein Streben um Einigkeit mit dem politischen Herrscher, der ihm und seinem Missionswerk Schutz gewährte, und die Anbindung an den Papst in Rom führte dann zu der Verbindung der karolingische Dynastie mit dem Papsttum, die Europa maßgeblich prägten. Dabei stützten sie sich auch auf die von Bonifatius geschaffene kirchliche „Infrastruktur“, d.h. Klöster und andere Stützpunkte.

 Schon zu seinen Lebzeiten verglich ihn Papst Zacharias mit dem Apostel Paulus und mit Barnabas; Ottloh von St. Emmeram (Regensburg) nennt ihn „Vater aller Bewohner Deutschlands“.

 Der Titel „Apostel der Deutschen“ ist ab dem 12. Jahrhundert in Fulda, ab dem 14. Jh in Würzburg und seit dem Spätmittelalter in ganz Deutschland in Gebrauch.

GAUDE FULDA - PLAUDE GERMANIA - COLLAUDATE POPULI

              „Alles, was später in politischer,
               kirchlicher und geistiger Bezie-
               hung in Deutschland erwachsen ist,
               steht auf dem Fundament, das
               Bonifatius gelegt hat.
               Er ist geistiger Vater unseres
               Volkes + Bonifatius hat uns und
               unseren Enkeln mehr gebracht als
               uns irgendeiner unserer großen
               Kaiser und Könige zu bringen
               vermocht hat.“

                                                      Prof. H. Leo 

 
mail an webm@ster
Idee & Gestaltung: deneum
[ HOME ]  [ LEBEN ] [ VEREHRUNG ] [ FULDA ] [PFARREIEN ] [ INHALT ]
sankt-bonifatius.de © 2000
Stand: Montag, 11. September 2000